Diese Wanderung ist die wahrscheinlich schönste und abwechslungsreichste Rundwanderung um den Elbgrund mit weiten Aussichten und wilder Szenerie der Schneegruben die uns vom Schüsselberg über die Goldhöhe zum Pantschefall und weiter zur Elbfallbaude mit dem Elbfall führt. Auf der Rücktour lernen wir den schlesischen Kamm mit seinen merkwürdigen Felsformationen kennen.



Diese 18 km lange Tour sollte man vom Schüsselberg ( 1241 m), auch Bärhübel genannt,den man bequem von Spindelmühle aus mit dem Sessellift erreicht, beginnen. Hier auf dem Schüsselberg hat man eine gute Aussicht auf Spindelmühle, den gegenüberliegenden Planur und Ziegenrücken, welche weitere interessante Wanderziele sind.

Der Name Spindelmühle rührt von der Spindler Malmühle her - in der aus Schlesien eingewanderte Holzschläger eine Bittschrift um Errichtung einer Kirche verfaßt haben und deren Bau Kaiser Franz II in Wien 1793 bewilligte.
Nachdem wir noch die riesige Elbtalsperre, die 1914 errichtet wurde, in Augenschein genommen haben, gleitet unser Blick auf das was das Riesengebirge vor allem in den letzten Jahrzehnten leider zum Negativen stark geprägt hat.

Es ist das unvermeidliche Baumsterben sowie die jährlichen Opfer des Windbruchs, verursacht durch die gefürchteten Ost- und Nordoststürme. Sonne, Wind haben hier das Holz grau ausgeblichen. Aber Windbruch und Baumsterben haben nur scheinbar etwas gemeinsam. Denn Windbruch zeugt vom ehrlichen Kampf des starken gesunden Baumes mit dem noch stärkeren Sturm. Baumsterben aber, das seine verheerenden Schneisen hinterläßt, ist kein Kampf, es ist der schleichende Tod, verbreitet durch die 700 bis 800 m tief liegenden mit Giftstoffen beladenen Wolken.
Der Weg führt uns nun auf einem Knüppeldamm durch ein Hochmoor und wir ereichen einen der zahlreichen und bemerkenswertesten Aussichtspunkte im Riesengebirge der den Namen eines gräflichen Forstmeisters trägt, der in den Diensten der Herrschaft von Harrach im 19. Jahrhundert stand und unter anderem die heute noch angewandten Markierungen der Wanderwege mit Holzstangen forcierte - Ludwig Schmidt.

Hier von dieser gesicherten Plattform, die umgeben ist mit einem kunstvoll gestalteten Geländer, bietet sich eine herrliche Aussicht über den von einem Gletscher ummodellierten Elbgrund und nach den Bauden am gegenüberliegenden schlesischen Kamm ( Martins-,Bradler-,Bärengrund-,Zinnecker-,Dafte- und schlieslich die Peterbaude ).
Solch ein Blick bietet sich einem nur hier. Ein mit Knieholzbeständen umgegebener Pfad führt uns schließlich zu einer asphaltierten Bergstrasse, der Masarykstraße (erbaut 1936 - eine ursprüngliche Waldstrasse die aus dem Tal/Schlucht der Kleinen Iser zur Goldhöhe / Zlate navrsi(1410 m)führt. Wir geniessen die herrliche Aussicht in das Tal der Iser und erblicken an ihren Gras- und waldreichen Lehnen die Orte Witkowitz, Benetzko,Starkenbach und Jablonetz mit dem markanten Aussichtsurm.

Die Wanderung zu dieser Hochebene, wo Graf Johann von Harrach schon im Jahre 1904 die erste Riesengebirgsnaturreservation gründete, ist immer einmalig. Es ist ebenso einer von den schönsten Aussichtspunkten. Der weite imposante Rundblick läßt immer wieder innehalten. Vorn erscheint der Grat des Ziegenrückens und zwischen Höhen gebettet, deren Anblick Beklemmung erregt, das Felsental der "Sieben Gründe".

Die Elbquelle eines unser heutigen Ziele kann man von hier aus auf zwei Wegen erreichen. So führt ein Weg an Steilhängen entlang vorbei an Bunkerbefestigungen aus der Zeit vor 1938 geradeaus zu den Elbgrundrändern mit dem Pantschefall ( 1.300 m )und mit einem das Herz warm werdenden Tiefblick in das Elbtal.Hier stürzt das ziemlich karge Wasser des aus den Sümpfen der Pantschewiese entstandenen Baches 300 Meter über die Felsen um sich mit dem Elbseifen im Elbgrund zu vereinigen.

Von einem vorspringenden Felsen, wo einem klar wird was dreihundert Meter Tiefe sind, hat man einen prachtvollen Blick in die Sieben Gründe wo auch der Elbgrund, der von vielen Bächen mit weiteren rauschenden Wasserfällen durchschnitten wird, zu finden ist und wo die wertvollsten botanischen Gebiete des Gebirges (Schustlergarten), die wiederum allerdings nicht zugänglich sind, liegen.

Am Rande des steilen Absturzes weiter schreitend, welcher die Wurzel des Elbgrundes bildet, ragen aus der Tiefe gewaltige Pfeiler, aus richtigen Quadern gebildet, die sich zuweilen fast schichtförmig sondern, auf. Darüber erhebt sich gewaltig die Felsgestalt des Hohen Rades, an welchem die saftig grünen Fichten des Gundes vergeblich in die Höhe streben; sogar dem Knieholz vergeht der Atem auf der Wand.

Nun erreichen wir einen in dieser Landschaft unpassenden klotzigen Betonbau die wieder neu eröffnete Elbfallbaude - wohl die tschechische Variante seitens von ehemaligen östereichischen R.-G.-V.,geplanten Monumentalbau der an der Elbquelle stehen sollte. Ursprünglich stand hier mal, etwas tiefer auf einer steinernen Terrasse, eine primitive Holzhütte die um 1900 mehrfach erweitert und umgebaut wurde. Im November 1965 fiel sie einem Brand zum Opfer, wohl um hier in den Jahren 1969 - 75 diese unschöne "neue" Baude zu bauen.

Hier am Elbfalle wo das fortwährende Rauschen der herabstürzenden jungen Elbe, vor allem in der Zeit der Schneeschmelze,in uns einen unbeschreiblichen Eindruck hinterläßt,befinden wir uns bereits über der Region des Hochwaldes, dessen Fichten das untere Gebirge einst vor gar nicht langer Zeit dicht bedeckten.

Über einen Steg überqueren wir die junge Elbe und wandern in nördlicher Richtung weiter bergan auf gelb markierten schmalen Weg, dem einstigen Pferdeweg,und haben in in ca. einer halben Stunde die "Schneegrubenbaude" erreicht.

Auf der Höhe angekommen gewahrt man knapp an der Landesgrenze eine gewaltige vielfach geschichtete Felsmasse aus dem Kamme aufsteigen, die Teufels- oder Rübezahlskanzel, die sich in der Nähe der Abbruchkante der Großen Schneegrube befindet ,. Neben ihr steht die Schneegrubenbaude (1499 m)( jetzt eine polnische Telekomstation), welche in dem Felsgebilde nicht nur eine treffliche Schutzwehr gegen die ungestümen Nordweststürme welche sie in den nahen Abgrund fegen würden, besitzt. Die Baude 1837 vom Grafen Schaffgotsch zuerst aus Holz und nach Blitzeinschlägen 1890 und 1892 massiv aus Sein erbaut diente als Restauration; sie bot auch Unterkommen und war viel besucht.

Der trutzige siebenstöckige Turm aus dicken Steinquadern hatte einen eingebauten Marinescheinwerfer der Lichtsignale gab. Vor allem bei Nebel. Bis 1945 war dem Wanderer vom Turm aus eine schöne Aussicht auf die düsteren Schneegruben und darüber hinaus auf die Landschaften von Hirschberg und Warmbrunn gewährt.

Die heutige polnische Fernseh - Relaisstation wirkt dagegen zusammen mit dem Fernsehsendeturm ziemlich unromantisch denn er strotzt von Satellit- und anderen Antennen, die ins weite polnische Vorland weisen.

Unterhalb der erhöht stehenden Baude breitet sich ein grüner Rasenfleck aus; diesen überschreitend, sieht man sich plötzlich am Rande der bisher verborgen gebliebenen, nach N. sich öffnenden Schneegruben (1491 m). Festgebannt bleiben wir stehen sobald das Auge der unermesslich tief scheinenden Abgründe gewahr wird. Ein berauschender atemberaubender Anblick - man wird fasziniert von den Naturgewalten des Riesengebirges. Hier fällt der Fels mit steilen Wänden zu den Reichen des Schattens ab.

Unser Blick gleitet hinab in diese Gletscherkarren der letzten Eiszeit - in die zerklüfteten Granitbecken und auf die zerrissenen Granitwände. Felsen in Form von Pyramiden, Obelisken, Säulen starren aus der schauerlichen Tiefe hinauf.

Flechten überziehen die sonst nackten Wände, in deren Ritzen sich einige Grashalme oder Habichtskräuter festgeklammert haben. Wir blicken fasziniert auf die klüftige lotrechten Granitpfeiler die sich hier 250 m hoch erheben.Der starke Wind zersaust einem das Haar und dieser Blick in die zerklüfteten Granitbecken bleibt unvergesslich. Die Schneefelder an der Nordwand bleiben mitunter bis weit in den Sommer hinein liegen, oft sogar das ganze Jahr hindurch.

Seit 1933 stehen diese Schneegruben wegen ihres Pflanzenreichtums unter Naturschutz. In einer Tiefe von fast 400 m erspähen wir den Boden der Gruben. Herabgestürzte Blöcke bedecken ihn, stellenweise überwuchert ihn eine üppige Vegetation. Einige aus dieser Höhe unbedeutend erscheinende Wasserbecken, die Kochelteiche die daran erinnern das in einem vorangegangenen Erdzeitalter Riesenkräfte dieses Gebirge so geformt haben, schimmern im Grunde. Während Hirschberg und Schreiberhau im Sonnenlicht glänzen.

Wir wandern entlang der Abbruchkante und unternehmen einen Abstecher auf steinigem Weg auf das "Hohe Rad" dem höchsten Punkt des westlichen Riesengebirges und wie der Reifträger ein Trümmerhaufen, nur, bei seiner Höhe von 1502 m, von Ost nach West gesehen, ein dreifach so gewaltiger Gigant. Das Knieholz reicht da nicht hinauf, kein Busch, nur ist der Berg ganz grün von der Steinflechte.

Hier erbauten 1888 deutsche Turner aus Hirschberg zu Ehren Kaiser Wilhelm I. ein fünf Meter hohes Steindenkmal . In diesem Denkmal war eine Votivtafel aus schlesischem Mamor mit dem Porträt des Kaisers nebst einer bronzenen Inschrift, die heute längst nicht mehr vorhanden ist, eingelassen. Überragt wurde dieses Denkmal noch von einem großen drei Zentner schweren "W" ( Wilhelm I. )

Tiefblauer Himmel, schneeweiße Wolken, Sonne auf der Großen Sturmhaube und dem Hohen Rad, und ich im Schatten. Großartig beide Schneegruben, der Trümmergigant des Reifträgers neben ihnen und neben diesem die Abstürze des Krokonosch und die Elbgehänge. Wir schauen auf die Naworerwiese die sich vom Reifträger zur runden, nackten 1434 m hohen Kesselkoppe hinzieht. Die Herrlichkeit der Ausschau ins hellblaue Steinmeer läßt sich mit keinem Worte beschreiben. Von diesem Gipfel erblicken wir nun zahlreiche weitere Felsengruben an diesen Kammweg die wir noch aufsuchen werden.

Der treffliche, einst vom schlesischen R.-G.-V. angelegte Kammweg der über den östlichen Abhang steil herab sinkt darf leider nicht mehr betreten werden so dass wir uns für die nördliche Variante entscheiden. Diese Wanderroute führt uns um den verwitterungschuttbedeckten Nordhang des Hohen Rades herum und erscheint uns als ein aus ungezählten Steintrümmern der verschiedensten Gestalt und Grosse aufgebauter Kegel, oder richtiger als der Trümmerhaufen eines ehemals weit höheren Felsengipfels.

Die mitunter riesigen Gesteinsbrocken sind glatt benagt und mit Flechten, worunter vorzüglich die Landkartenflechte (Lecidea geographica) vertreten ist, überzogen. Das weite Hirschberger Tal ist mit einer bunten Menge von Ortschaften und Häusergruppen besät. Dieser "Gehsteig", der wahrscheinlich aus Mitteln des Grafen Schaffgotsch der Herrschaft Kynast-Chojnik hier angelegt wurde, ist das schönste Beispiel riesengebirg'scher Wegebaukunst an sich. In mehr als einem Jahrhundert haben Tausende Sohlen von Riesengebirgstouristen die dem Geröll entrissenen Granitblöcke glattgewetzt, und dennoch sind sie an manchen Stellen von der hellleuchtenden Moosflechte bewachsen.

Nach Überquerung des Agnetendorfer Passes (1350 m )auch Schwarzer Pass genannt, dem Übergang über das Gebirge von Spindelmühle (Böhmen) nach Agnetendorf in Schlesien, hebt sich der Weg weit sanfter zur Grossen Sturmhaube (früher Sturmkoppe 1422 m), deren spitzigen Kegel mächtige, eine prächtige Rundschau gewährende Granitfelsen bilden. Nach ihrer Übersteigung steht man auf einem schmalen Sattel (1331 m), neben dem sich l. die Schwarze oder Agnetendorfer Schneegrube mit dem berüchtigten Wanderstein öffnet.

Auf dem Kammrücken selbst ragen mehrere Giganten in die Lüfte: Zunächst die umfangreichen Mannsteine (früher "Böhmensteine", 1408 m) auf dem Kleinen Rade, eine verschiedenfach in Säulen,Blöcke und Platten gespaltene 15 m hohe Granitmasse, die ersteigbar ist und eine lohnende Umschau bietet. Diese Felsen, das ganze Massiv mit dem Mittagstein, den Sau- und Quargsteinen und welche Namen sie noch tragen mögen bis hin zu den gewaltigen Pferdeköpfen auf dem Reifträger, ward in der Eisperiode niedergedrückt. Aber sie blieben stehen als Träger der Erinnerung über Jahrtausende und stehen heute gleichsam als eine Wacht, als die letzen Soldaten eines steinernen Heeres.

L. vom Wege liegt auch Rübezahl's Grab, wenig beachtet, aber hochinteressant. Je zwei ungeheuere, an l '/2 m dicke Granitplatten liegen kreuzweise so übereinander, dass die beiden unteren in der Erde versenkt sind, eine 0,5 bis l m breite tunnelartige Spalte zwischen sich lassend, die einem Felsengrabe sehr wohl zu vergleichen ist. Die zwei darüber liegenden Platten bilden eine ebensolche, aber quer gelegte Spalte. Man sieht deutlich, dass die Spaltflächen je zweier Platten aneinander passen, und vermag sich nicht die Gewalt zu erklären, welche die Bruchstücke auseinander gerückt hat. In seiner Nähe stehen die Mädelsteine (1400 m), die ihren Namen seit dem bei ihnen erfolgten Erfrierungstod eines Hirtenmädchens tragen sollen. Am 23. Juni (!) 1780 erfror da eine ganze Familie, ein Baudenmann mit seinem Weibe und zwei Kindern, im Schneegestöber. Der Bergrücken trägt auf dieser Strecke den Namen Mädelkamm; seine südliche Abdachung, die Mädelwiese, ist sumpfig und reich an Knieholz.

So genussreich die Wanderung über den Kamm bei heiterem Wetter ist ebenso trostlos gestaltet sie sich, wenn nasse Nebel dem Dahinschreitenden ums Antlitz streichen, ein feiner Regen auf Ihn niedersickert, oder der Sturm ihm denselben entgegen peitscht wie ich es selbst erlebt habe.

Der Weg beginnt nun dauernd zu fallen.Rechts und links wo vor Jahrzehnten noch Hochwald die Lehnen herauf kletterte, schreiten wir der Peterbaude zu.

Die Peterbaude die im Jahr 1887 eröffnet und wo O. Fiebinger 1914 die ersten Zeilen des Riesengebirgsliedes "Blaue Berge, grüne Täler ..." dichtete beherbert auch ein sehenswerten Interieur welches wir bei einem kurzen Aufenthalt noch besichtigen.

Unser Weg führt uns nun weiter abwärts zu den Davidsbauden (1200 m),gewöhnlich Daftebauden genannt wo sich eine abschliessende Aussicht erschliesst. Vorbei geht es an der Spalte- und den Krätzigbauden und dann durch Hochwald - unten rauscht das Rohte Floss - um die Festung zum Mädelsteg hin. Dann kommen Knie- und Fussspitzen auf dem herrlichen Weberwege an dem das Weisswassser, der östliche Quellfluß der Elbe, weiter talwärts dahinfließt,zur Ruhe. Mit dem Gefühl, gerade eine der schönsten und interessantesten Touren im Westriesengebirge erlebt zu haben,kehren wir wohlbehalten zurück nach Spindelmühle.

Details:


Tourenabschnitte Markierung Entfernung
Schüsselberg (Medvedin) - Masarykstraße (Masarykova silnice) - Goldhöhe (Zlaté návrši) gelb, rot 3,5 km
Goldhöhe - Pantschefall (Pancavský vodopád) - Elbfallbaude ( Labska boudi) rot 2,5 km
Elbfallbaude - Schneegruben (Snežne jámy) gelb 1,0 km
Schneegruben - Mann- und Mädelsteine (Mužské- / Dívcí kameny) - Peterbaude (Petrova bouda) rot 5,5 km
Peterbaude - Mädelsteg (Dívcí lávky) - Spindelmühle (Špindlerluv Mlýn) gelb 5,0 km

Gesamt: 15,5 km    17,5 km    7 Stunden
Einkehr: Vrbata Baude (Goldhöhe) , Elbfallbaude (Kiosk), Peterbaude bzw. Davidsbaude






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