Ein blasblauer Frühlingsmorgen wölbte sich mit wuchtigen Wolkengebilden, hinter denen sich zeitweilig die Sonne verkroch, an jenem Tage über dem Riesengebirge.

Ich sah dieses eigenartige Stück Bergwelt zum ersten Male und betrachtete seine gewaltigen Kuppen als ich den Berg hinanstieg, mit einem Gemisch von Verwunderung und Entzücken.
Wie ehrwürdige Patriarchenhäupter scheinen sie mir und ihre kahlen Gipfel dünkten mich weithin leuchtende Glatzen, indessen die krausen Bärte ihrer Nadelwälder bis zu ihren Füßen herunter in die Talsohle flossen.
Dort wo in jenen Fernen einer nicht gekannten ahnungsreichen Fabelwelt einem schon als Kind Rübezahls Märchen geklungen und wundersame Weisen ertönten verlangt die Sehnsucht dieses Riesengebirge, dieses Gebiet mit beeindruckenden Zeugen einer jahrhundertealten wechselvollen Geschichte. nach unvorstellbarer Erfüllung.
Nicht minder, als die mit den Reizen der Poesie umgebenen Stätten der Natur, haben historische Tatsachen dazu beigetragen dem Riesengebirge den Reiz der Romantik zu verschaffen.
Genau wie der aus Hügeln in Höhen, aus Höhen in Hänge, aus Hängen in Berge, aus Bergen in Gipfel sich wandelnde Aufbau der Heimaterde sich hier vollzieht, genau so musiziert auch meine Seele am Klavier, ach, manchen Winterabend fern in der Ebene - Und alles ein wenig lieblich, ein wenig gelassen, ein wenig verspielt und verträumt.
In ewiger Freiheit und Wahrheit ragt das gewaltige Urgestein seit Jahrtausenden seine kühnen Häupter in den lichten Äther empor, in altersgrauer Zeit wohl trotzige Feldkolosse, nun gewaltige Trümmerkegel, die Walstatt der Riesen.
Und dennoch: Welche herrliche Größe in den Ruinen des ältesten Aufbaues auf unserem Erdballe !
Und ein bißchen Dunkel in Waldwinkeln, und ein bißchen Kichern in Bergbächen, und ein bißchen Knurren im Höhenwind - ja, das ist mein Böheim, mein Schläsisch Land. Wie herrlich ist es, empor zu schreiten, immer weiter empor, empor - - siehst du die Schönheit der Tannen, die Silberseligkeit des Bergwassers, hörst du den Kuckuck rufen ?
Ja, ich höre ihn, ja, ich sehe, ja ich liebe dich, herrlicher Bergwald, der du mich hinaufgeleitest und mir Schritt für Schritt schwer machst, aber auch Schritt für Schritt wird das Schwere leichter !
"Das also hier ist Rübezahls Reich," dachte ich und alle die halbverschollenen Sagen und Märchen von diesem neckischen Berggeiste, wie sie mir noch aus den Schullesebüchern und heimatkundlichen Schriften im Gedächtnis hafteten, kamen mir wieder in den Sinn.

Wildromantische Felsenschluchten öffneten sich zu Seiten des Weges, riesenhafte bemooste Blöcke säumten den Pfad, als wären die dem arglos Dahinschreitenden aus einem Hinterhalt entgegengeschleudert worden, als hätte der Berggeist selbst seine Hände im Spiel gehabt.
Alle Berichte und Überlieferungen von diesem Kobold aber sind sich darin einig, dass er niemals eine Untat beging, so schlimme Streiche er auch an manchen sonst verübte. Immer waren es bloß die Reichen, die Hartherzigen und Geizigen, die seinem Haß zu spüren bekamen, den Armen, den treuherzigen und naiven Seelen, denen half er sogar und spendete ihnen klingende Münze. Seinen tollen Schabernack trieb er nur mit jenen, die es so verdienten. Auch Wetter konnte er machen, je nach Bedarf.

Schwere Gewitter und gewaltige Stürme konnte er daherbrausen lassen, wenn er zornig war oder jemand Verhaßtem den Heimweg versalzen wollte. Dann wurde er zum grimmigen Unhold und die Reisenden, die der Weg durch Wald und Gebirge führte, bekreuzigten sich und strebten mit Macht den menschlichen Wohnstätten zu.
Mit zauberischer Macht zieht es den Wanderer an in den Bereich der Berge zu kommen und die Wunder zu erforschen, die in seinen heimlichen Tiefen und Höhen verborgen sind.
Bis an die Schwelle des Hochsommers leuchten hier die Schneefelder zu Tal, und wild zernagte Felswände, die viele hundert Meter steil abstürzen, geben dem Aufschauenden auf der Kesselsohle wie dem Hinabblickenden auf dem Kamme überwältigende Eindrücke von den zermahlenden und gestaltenden Kräften der erhabenden Natur.
Steigen wir in den uns erwartenden Glanz hinauf, sei es nun als einzelner einsamer Wanderer oder sei es in Begleitung vertrauter Wanderkameraden. Jeder aber wird sein Herz offen haben für das kommende Erlebnis, das sich ihm schon am Anfang seines Emporsteigens mit den rauschenden, weißschäumenden Bergwassern verkündet.

Schon hat sich ein starker, fester Takt in meinen Beinen gefunden, schon eine Gelassenheit, es würde alles werden mit der Zeit, schon hängt die Nase nicht mehr ächzend am Boden, sondern frei den Blick hinan atmen die Lungen die leuchtende Morgenluft, harzduftig, vom Bergwind gewiegt.
Seid mir gegrüßt, ihr immergrünen Schwestern am Weg !
Nun erkenne ich euch wieder ! Nun weiß ich aus den Wanderungen der Jugend, jetzt kommt eine Wegegabelung, jetzt kommt eine kleine Felsennische, in der eich einmal als Knabe gerastet, eben so gezwickt und gezwackt von den Tücken der steilen Steigung - und jetzt dauert es nicht mehr lange, da erscheint die herbe Matte, auf der eine Baude ragt mit den ernsten geraden Linien der Berghütten, wetterhart vernagelt und verrammt.
Bei solchen Betrachtungen merkte ich die Steile des Aufstiegs kaum, wiewohl mir die Schweißperlen über die Stirne rannen.
Und siehe, da tut sich der Wald auf und die letzte Steile bis zur Baude ist auch unter den schon eingeleierten fröhlich schreitenden Füßen dahingeschwunden. Schon einkehren ? Nein, weiter. Auf den Kamm ! Das Licht der Höhe ruft zu sich empor.
Ich war in eine echte und rechte Märchenstimmung hineingeraten und es klingt vielleicht ein wenig überspannt, wenn ich erzähle, aber der eine oder andere, der beim einsamen Wandern auch einmal in eine gewisse Verträumtheit hineingeraten ist, wird es vielleicht nachfühlen können, wenn ich erzähle, wie ich da so vor einem klaffenden Felsenspalt, in dem ein paar Rinnsale über üppig wuchernde Farren zerstäubten, plötzlich in kindischem Übermute die Beschwörungsformel rief: "Rübezahl, erscheine !"
Es ist, als ob der in laute Worte gekleidete Gedanke oft auf uns selber eine magische Wirkung ausübte; denn gleich darauf spähte ich neugierig umher, von welcher Seite der Geist wohl kommen würde. Ich sprach die Worte noch einmal, eindringlicher und bittender als vorher - wie gläubige Kinder tun. "Du musst es dreimal sagen", befiehlt Mephistopheles im Faust. Also verhallte auch mein dritter Ruf.
Niemand lies sich sehen. Nur ein ferner Vogelruf unterbrach die nachmittägige Stille. Nur ein paar klirrende Steinchen fielen von bröckelnder Felsenwand vor mir auf den Weg. Trotzdem die liebe Einbildung tut ja so viel - hatte ich alsbald das Gefühl, als sei jemand in meiner Nähe, als starrten unruhige, flackernde Augen aus dem Walde zu mir her. Etwas ging an
meiner Seite keuchenden Atems mit mir bergan.

Mag sein, dass diese unheimliche Empfindung erzeugt wurde, weil sich der Himmel allmählich verfinsterte. Eine schwarze Wolkenwand wuchs über meinem Haupte zu drohender Größe heran. Deshalb war es auch eine art befreiten Aufatmens als endlich mein Wegziel erreicht war und sich der Burghof vor mir auftat
Wieder einmal oben ! Hier lebe ich ganz ! Hier bin ich bei mir. Hier - ja, in diesem Sturm, in diesem Wolkenwust auf steinigem Pfad, zwischen niedrigem, fahlgrünen Gestrüpp, aber in meinem Rücken den eroberten Berg wissend - Wälder unter mir, Türme und Städte unter mir, die Ebene und die Menschen unter mir, und dies nicht mit dem Flugzeug, sondern mit eigener Kraft Schritt für Schritt geschafft - das ist die Freude des Bergsteigers !
Hoch auf dem Gipfel
Deiner Gebirge
Steh' ich und staun' ich,
Glühend begeistert,
Heilige Koppe,
Himmelanstürmerin !
Theodor Kerner
Wolken kommen und hüllen dich ein, nehmen das Tal. Der Wind wird zum Sturm. Er orgelt. Zu beiden Seiten Knieholz. Als wärest du König geworden durch den Emporstieg, und der Hochwald, der auf deine schweißgetränkte Wanderung herniedersah, er liegt dir nun demütig zu Füßen.
Was gibt es schöneres für einen Wanderer nach mühevollen Aufstieg dann auf dem Kamm hoch oben unter der Sonne zustehen. Ein Blick ins weite, weite Tal.

Man kennt das Tal mit seinen Dörfern aus seinen Jugendjahren, mit seinen Laub- und Mischwäldern und empfindet tief im Herzen: Die Welt da unten und ich über ihr .
Schön ist jede Stunde, in der man vom Kamm herniedersehen kann in das große Tal unten, über Hänge und Wälder hinweg, oder in der man liegen kann, lange und wunschlos, mit dem Rücken auf der grasigen Erde und über sich nichts als den endlosen, durchsonnten Himmel.
Die Stimmung manches Landschaftsbildes ist so mächtig,das du das Gefühl hast,
das keine Kraft diesen starken Frieden stören kann. Verweht liegt manches
Gebirgsdörflein.
Hier offenbart sich am umfassendsten dieses fast unergründliche, Welle um Welle aufwerfende Wäldermeer, in dem die Siedlungen als kleine Inseln vom Auge kaum beachtet werden
Kein Menschenlaut dringt hier herauf, nur das sanfte ab- und anschwellende Wipfel
rauschen, das traumversunkene Raunen der Wälder geht ohne Unterlaß. Die Bäume der Nähe, die einseitig gekämmten, die zerzausten, die trotzig sich behauptenden Wetterfichten, sie sprechen auch in der Ruhe eines selig verklingenden Abends die Sprache des Sturmes

Aber wer wollte mit wenig Worten die Vielfalt dieser zeitlos wesenden Wälder kennzeichnen?
Wielviel Geheimnis dämonischer Macht, wieviel kaum ergründete Eigenart umhegen Sie! Um gigantische Felsgruppen spinnt Jahrhunderte alte Sage.
Verborgen im Bergwald breiten sich vom Knieholz durchwucherte Moore aus, durchzogen von der braunen Klarheit der Lachen und Bäche.
Aus schwellenden Moos- und Graspolstern ragen Gruppen von Schirmfichten mit tiefdunklem Nadelgrün ernst ins lichte Blau des Himmels, in dem hochgetürmte Wolken still zu stehen scheine .
Man ist gerührt von den sprudelnden Quellen die aus dem Innenreich des Berges als Rinnsal sprudeln um dann als rauschender Wasserfall am steinigen Hang in die Tiefe zu stürzen.
An den Schlünden der Schneegruben hielt ich Rast.
Unbeschreiblich ist der Anblick wenn der Wind die
Wolkenmassen zwischen den schwarzen Tannenwäldern und durch die großen Schluchten
hindurchjagt und jetzt das Agnetendorfer Tal zeigt: Häuser, Dörfer, Städte werden sichtbar, weithin
öffnet sich das Land auf viele Meilen mit zahlosen Ortschaften.
Plötzlich schließt sich
alles wieder in graue Wolken,die mit majestätischen Brausen über die Gipfel ziehen.
Dies schön-schaurige Schauspiel ziehe ich
einem ganz heiteren Himmel vor. Man traut seinen Augen nicht,wenn der ungeheure Wolkenvorhang
auf Sturmschwingen sich öffnet, würdig eines Schauplatzes von Tausenden von Flächenmeilen,
die man hier rings übersieht.
Je weiter man blickt, immer sieht man noch einen Streif,
einen Punkt, und dieser Punkt ist eine Stadt, ein Gebirge oder ein Wald, über welchen hoch
die Wolken ziehen,die doch wieder tief unter dem Beschauer liegen.
Unwirklich, fast theaterhaft lag der Schnee im Grunde des Kessels. Und die Schlucht zog den Blick herab. Und die Seele mit. Sinken, sinken - das war nach dem Empor ebenso verführerisch wie das Steigen. O wilder Wechsel der Gefühle des Bergwanderers.
Die Natur hat hier Kontraste geschaffen, wo das Erhabene und Gewaltige sich vereinigt mit dem Lieblichen und Schönen zu einem Bilde von romantischem Reize.

Aus den Tiefen der Gründe steigen zur Abendstunde die Nebel sanft empor. Aus dem weißen Dunst lösen sich Gestalten jung und schön, angetan mit langen Schleiern und luftigen Gewändern; immer höher schweben sie getragen auf weißem Wolkengebilde bis an den Rand der Schneegruben; schon strecken sie die Arme aus nach dem einsamen Wanderer dort oben und drohen ihn mit sich zu ziehen in die Tiefe.
Da leuchtet zur rechten Zeit ein Strahl der untergehenden Abendsonne hinein in die dichten Nebelschwaden, ein rosiger Schimmer umfließt die Wolkengebilde, bis der Spuk zerfließt und der Kamm des Gebirges erglüht im Strahl der untergehenden Sonne.
Tief durchatmend und die Arme dorthin ausbreitend nach den gewaltigen Bergen des Heimatlandes, nach den Riesenwächtern unseres Böhmens gibt es nur eines festzustellen das man Herz und Seele dem Riesengebirge verschrieben hat !

Nun sind die schönen, klaren, blauen Herbsttage wieder herangekommen, ohne dass man es spürte, wie der Sommer zu Ende ging und die Welt sich lautlos in ihre dritte Jahreszeit verwandelt.
Auch in die Bäume der Berge ist der Herbst schon eingekehrt und hier und da hebt sich in den waldigen Tälern das sich färbende Laub junger Birken und Buchen gegen die dunkleren Farbtöne der hinter ihnen aufragenden hohen Fichtenwälder ab. Das Heidekraut an tieferen Wegen ist verblüht.
Spinnen haben darüber ihre weiß - grauen dichten Netzte gesponnen. Die Sonne liegt warm auf den Wiesen.
Wo aber die ewig gleichmäßige Stimme der Bäche sich durch die Stille des Herbsttages singt, blüht abseits und verborgen neben den Wassern der blaue Enzian, die Herbstblume des Riesengebirges.

Vereinzelt blüht sie nur hier unten in den tieferen Tälern, wer aber hinauf auf den Kamm steigt, dem wird es nicht selten begegnen, dass ein hoher, einsamer Berghang ihm blau entgegenleuchtet, wie ein Abglanz des strahlenden Herbsthimmels.
Zahllos heben sich dort die Kelche des Enzians über den Erdboden und wenn der Wind über die Hänge streicht geht es wie ein unablässiges blaues Wogen zu den Wäldern hinunter.
Wunderbar ist diese Herbstzeit in ihrer Stille und Klarheit, ist wie ein letztes Geschenk des Jahres an uns, dass wir freudigen Herzens und beglückt wie Kinder entgegennehmen und empfangen.
Feierlich liegt das späte Licht des Nachmittags über der Berglandschaft und der letzte Glanz der mit jedem Tage zeitiger sinkenden Sonne hebt den hohen Kamm des Gebirges noch einmal über der großen Weite des Tales in seine Verklärung.

Dann kommt der Abend und mit ihm der lautlose Aufgang der Gestirne, davor die Wälder und Berge, fast unberührt von jedem Windhauch, nichts anderes haben als ebenfalls ihre Lautlosigkeit und ihr Schweigen. Den warmen herbstlich durchsonnten Tagen folgen die schönsten und reinsten aller Nächte des Jahres
Es gibt Dinge und Ereignisse, die an sich vielleicht klein und bedeutungslos sind, aber es geschieht - und das liegt an der Stunde, die zu uns spricht - das sie sich unauslöschlich in unser Inneres einprägen, so dass sie immer wieder vor uns aufstehen, wenn wir an jene Stunde und an die Landschaft zurückdenken aus denen uns das Erlebnis kam.

Den ganzen Tag lang war nichts um das Haus als das lautlose, graue Wehen des Nebels und rauschender Regen, nur manchmal hatte sich für einen Augenblick das Grau gelichtet, dass unten über den Wiesenhängen die anderen Häuser und Pensionen auftauchten und darüber ein schmaler Streifen der Wälder, die sich weit zum Kamm hinaufziehen.
Aber die Fetzen des Nebels, die von oben her über die Wälder glitten und tasteten, zogen bald wieder wie lange gespenstische Finger den grauen schleppenden Vorhang zu. Und doch treibt es mich jetzt hinaus, da der Regen ein wenig nachgelassen hat. Gerade der Nebel lockt mich. Es ist etwas Eigenartiges um sein Erleben, gegen die feuchte Kühle hilft wetterfeste Kleidung. Ich steige gleich hinter dem Haus in dem ich wohne durch den Hochwald den Bergweg hinan.
Rechts und links von mir die hohen steilen Stämme jahrzehntealter Fichten ! Auch ihre Wipfel über mir sind in der verhüllenden michweißen Dämmerung, die zwischen den Stämmen steht, unsichtbar.
Hier und da tauchen neben meinem Weg auf dem Erdboden aus dem Nebel die großen, gefiederten Blätter schon halbwelker Farne auf. Ein Bergwasser singt sich rauschend an mein Wandern heran. Der Weg ist steinig und vom langen Regen ausgewaschen. Der Schritt darauf hat etwas Hartklingendes, davor die dämmernde Stille rundum jäh erschrickt, dass sie ihn verhalten dämpft.

Lange steige ich so. Stunde um Stunde. Einmal erkenne ich dicht vor mir die großen schattenhaften Formen und Umrisse einer verlassenen Baude, ich gehe daran vorüber und aus den Fenstern dringt trotz der noch nicht späten Stunde des Nachmittags ein fahler glanzloser Lichtschein.Und weiter oben fing es tüchtig an zu regnen.
Weiter, immer weiter - wie ohne Ziel. Dann bin ich oben auf dem Kamm. Plötzlich die Stimme eines Menschen, dazu ein Klappern und Rasseln von Metall, ein Holzarbeiter mit einem Pferd löst sich vor mir aus dem Nebel, so dass ich vorsichtig beiseite trete um ihn vorbeizulassen. Grußlos geht er vorbei und der Nebel verhüllt ihn sofort wieder hinter mir und auch die begleitenden Geräusche sterben ein paar Minuten später in der unendlichen Stille der herbstlichen nebelverhangenen Bergeinsamkeit.
Es ist windstill geworden, und auch der Regen hat jetzt ganz aufgehört. Hält man im Gehen inne, dann steht um einen von allen Seiten nichts als graue, undurchdringliche Wand, die Schritt für Schritt zurückweicht, wenn man weitergeht. Kein Mensch begegnet mir mehr.

Rechts und links tauchen wie Schatten die niedrigen, weiten, über die Kammwiesen verstreuten Knieholzinseln auf. Einmal steht der Schrei eines fernen Raubvogels sekundenlang in der Stille. Schön ist diese Wanderung im Nebel, wie alles in den Bergen seine Schönheit hat.
Alles gewesene Leuchten ist ausgelöscht, und hinter diesem Herbstwanderung stehen schon die großen Stürme der Berge, die bald Tag für Tag und Nacht für Nacht nicht mehr zur Ruhe gehen werden, und hinter diesen Stürmen wieder steht das große, lautlose, winterlich - weiße Verschüttetsein, das unendliche Schweigen im Schnee, die große Einsamkeit schneehimmelverhangener Tage.