Auf den Hängen des Ostriesengebirges stehen zahlreiche alte Bergbauden wild verstreut. Das Besiedeln verlief nicht nach Plan. Vom späten Mittelalter an nahmen Bergbauern, Holzfäller, Glaubens- und Kriegsflüchtlinge die Wälder und Wiesen in Besitz. Sie bauten, wie es ihnen gefiel. Die Namen der Bauden sind eng mit Land und Leuten verbunden. Oft tragen sie den Ruf- oder Familiennamen ihrer Erbauer oder Besitzer. Hofer-, Krause-, Martins- oder Richterbauden. Ende des 19. Jahrhunderts begann eine neue Geldquelle zu sprudeln: Kurgäste und Touristen strömten in die Berge und verlangten nach Fremdenzimmern. Die Baudenbesitzer sattelten schnell um. Ställe und Vorratskammern verwandelten sich in rustikale Herbergen. Das unterscheidet die Bauden im Riesegebirge von anderen Touristenunterkünften, so in den Alpen. Jene Hütten wurden von Beginn an für Bergwanderer gebaut. An den gezimmerten Blockbauten strahlen weiß getünchte Fugen. Giebel und Fensterläden sind oft mit Schnitzereien verziert. In solch schönem Haus wohnt Helmut Hofer. Der fast Siebzigjährige bewirtschaftet sein Grundstück noch immer mustergültig. "Es wird Heu und Holz gemacht, bis der Schnee fällt."

Helmut ist der wohl letzte Lebende aus der Dynastie der Koppenträger. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die Böhmische und Preußische Baude auf der Schneekoppe eröffnet. Ein Dutzend gewerbsmäßige Lastenträger schleppten hinauf, was ein nobles Hotel so alles benötigte: Brennholz, Wasser, Lebensmittel und viele Bierfässer. Weil der Lohn nach Gewicht abgerechnet wurde, türmten sich auf dem Rücken der Männer nicht selten Lasten bis hundert Kilo. 1929 trugen die Hofers mit anderen Männern ein Klavier auf die Schneekoppe. "Mein Vater wuchtete allein eine Registrierkasse mit 140 Kilogramm auf den Gipfel. Sein Rekord war ein Stahlrohr mit 160 Kilogramm für die meteorologische Station. Er buckelte es auf dem verschneiten Zickzackweg von der Riesenbaude bis auf die Koppe." Als Sechsjähriger trug Helmut Hofer erstmals ein Postpaket zur Koppe.

Bange Stunden erlebte die Familie nach Kriegsende. Sie saßen schon auf gepackten Koffern, als der Bescheid aus Prag eintraf: Hofers werden nicht ausgesiedelt. Der tschechische Baudenpächter hätte ohne sie auf der Schneekoppe auf verlorenem Posten gestanden. Erst die Inbetriebnahme des Sessellifts Ende der 40er Jahre nahm den Koppenträgern immer mehr Arbeit ab. Helmut Hofer war bis 1953 in seinem Beruf unterwegs, sein Vater bis 1961. Drei Jahre später starb Robert Hofer. Auf dem gepflegten Friedhof in Velká Upa (Groß-Aupa) ist sein Grab schnell gefunden: Auf der Grabplatte sind die Schneekoppe und der Koppenträger mit Hucke und Bergstock abgebildet.



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